Rovativ Oberrohrtasche & Satteltasche im Test

Warum ich überhaupt Fahrradtaschen am Gravel nutze

Ich neige ja gerne mal dazu, ein paar Dinge zu viel mitzunehmen. Hier noch ein Ersatzschlauch, da noch ein Gel. Wird’s kälter? Vielleicht pack ich die Armlinge doch gleich mit ein. Soll es regnen? Ach komm, die Regenjacke kann auch noch mit. Und das Handy im Trikot? Nervt irgendwie. Also wohin mit dem ganzen Kram?

Das ist so mein täglicher Struggle, wenn ich auf eine Tour gehe, die länger als zwei Stunden dauert. Gleichzeitig reizt mich das Thema Bikepacking schon länger. Genau deshalb war ich auf der Suche nach schicken und funktionalen Fahrradtaschen, die sowohl auf längeren Touren als auch im Alltag eine gute Figur machen.

Vor einiger Zeit habe ich mir deshalb ein komplettes Bikepacking-Set von einem Discounter gekauft. Optisch fand ich die Taschen tatsächlich gar nicht schlecht. Im Alltag zeigte sich allerdings schnell, dass das Handling an vielen Stellen eher mittelmäßig war.

Aus diesem Grund habe ich Paul von Rovativ angeschrieben und gefragt, ob ich seine Taschen einmal selbst ausprobieren darf. Für diesen Test hat mir Rovativ die Oberrohrtasche und die Satteltasche kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung und dieser Testbericht bleiben davon selbstverständlich unbeeinflusst.

Themenübersicht

Wer ist Rovativ überhaupt?

Rovativ hatte ich schon länger auf dem Schirm. Wer sich auf Instagram in der Gravel- oder Bikepacking-Bubble bewegt, dürfte der Marke wahrscheinlich schon häufiger begegnet sein.

Das deutsche Unternehmen wurde 2019 gegründet und hat sich auf Fahrradzubehör für Rennrad-, Gravel- und Bikepacking-Fans spezialisiert. Besonders spannend finde ich dabei den Ansatz, hochwertige Produkte zu einem fairen Preis anzubieten. Genau deshalb wollte ich mir die Taschen einmal selbst genauer anschauen.

Der erste Eindruck – Auspacken und Montage

Zuallererst: Wie schnell ging bitte der Versand?

Ich glaube, keine 24 Stunden nach der Versandbestätigung stand der DHL-Bote schon vor der Tür. Das Paket kam unbeschädigt an und war sauber verpackt. Von außen wirkt der Karton zwar eher unscheinbar, aber am Ende zählt ohnehin der Inhalt.

Die Oberrohrtasche

Beide Taschen kommen in einem stabilen Karton, der direkt einen hochwertigen Eindruck macht. Als Gestalter muss ich allerdings zugeben, dass mich das Packaging persönlich nicht komplett abholt. Das ist vermutlich einfach eine Berufskrankheit.

Was mir dafür richtig gut gefällt: Im Karton befindet sich wirklich nur das, was man braucht. Kein unnötiger Schnickschnack, der am Ende sowieso direkt im Müll landet. Montage- und Pflegehinweise sind clever in die Verpackung integriert.

Ich teste die Oberrohrtasche in der 1,8-Liter-Version. Das klingt zunächst gar nicht nach besonders viel Volumen, allerdings passt später deutlich mehr hinein, als ich zunächst erwartet hätte.

Schon beim Auspacken fällt auf, wie hochwertig sich die Tasche anfühlt. Das Material wirkt robust und angenehm stabil. Die Konstruktion besteht aus zwei Ebenen: einer äußeren, wasserabweisenden Schicht und einem stabilen Innenteil, das die Form hält und zusätzliche Stabilität verleiht.

Besonders positiv ist mir direkt der Reißverschluss aufgefallen. Er läuft angenehm leichtgängig und macht insgesamt einen sehr hochwertigen Eindruck.

Im Vergleich zu anderen Oberrohrtaschen erfolgt die Befestigung ausschließlich über Klettverschlüsse. Eine Montage über Schraubpunkte am Rahmen ist hier nicht vorgesehen. Dafür hat Rovativ die Klettbänder mit einer gummierten Unterseite versehen, damit die Tasche sicher sitzt und nicht verrutscht.

Praktisch finde ich außerdem, dass sich die Position der Klettbänder flexibel anpassen lässt. Dadurch kann die Tasche an unterschiedliche Rahmenformen angepasst werden.

Im ersten Moment kamen mir die Klettverschlüsse allerdings etwas lang vor. Das ist letztlich aber kein großes Problem, denn sie lassen sich problemlos auf die passende Länge kürzen. 

Die Satteltasche

Mein persönliches Highlight ist tatsächlich die Satteltasche.

Mit ihren 10 Litern Volumen passt hier richtig viel hinein. Ehrlich gesagt war ich beim Auspacken überrascht, wie groß die Tasche tatsächlich ist.

Wie jede klassische Bikepacking-Satteltasche – oder, wie man sie umgangssprachlich gerne nennt, die „Arschrakete“ – besteht sie aus einem stabilen Unterteil und einem Rollverschluss im oberen Bereich.

Optisch gefällt mir das schlichte Design richtig gut. Schwarzes Material, dezentes Rovativ-Logo und keine übertriebenen Designelemente. Genau mein Geschmack.

Auf der Oberseite befindet sich zusätzlich ein elastischer Gummizug, unter dem sich beispielsweise eine Regenjacke, Überschuhe oder andere Kleidungsstücke befestigen lassen. Auch dieser wirkt stabil und macht einen hochwertigen Eindruck.

Ich habe es eingangs schon erwähnt: Ich gehöre zu den Menschen, die lieber etwas zu viel als zu wenig dabeihaben. Gerade im Frankenwald weiß man morgens oft nicht, ob man später im Sonnenschein oder im Regen nach Hause fährt.

Dazu kommt noch ein zweiter Anwendungsfall. Wenn ich mit meinem Junior unterwegs bin, landet schnell deutlich mehr Gepäck am Rad. Gummibärchen für die Motivation, Sonnencreme, Wechselkleidung, eine Cap für die Pause oder einfach all die Kleinigkeiten, die man mit Kindern lieber dabeihat.

Genau hier spielt die Satteltasche für mich ihre größte Stärke aus. Ich bekomme alles problemlos unter und muss meine Trikottaschen nicht bis zum Anschlag vollstopfen. Wie sie sich dabei auf längeren Touren schlägt, erzähle ich euch später im Alltagstest.

Bei der Montage ist mir allerdings eine Kleinigkeit aufgefallen: Damit die Tasche optimal sitzt, empfiehlt Rovativ mindestens 15 Zentimeter frei sichtbare Sattelstütze. Das ergibt auch Sinn, weil die Tasche dadurch sauber anliegt und weniger wackelt.

Habt ihr weniger Platz zur Verfügung, lässt sich die Tasche zwar mit etwas Improvisation montieren, optimal ist das allerdings nicht. Passt die Sattelstütze, sitzt die Tasche dank der beiden Klettverschlüsse dafür absolut bombenfest am Rad. Genau so wünsche ich mir das.

So schlagen sich die Taschen im Alltag

Die Taschen sind montiert – also ab aufs Rad und schauen, wie sie sich im Alltag wirklich schlagen.

Die Oberrohrtasche auf Tour

Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, wie viel in die Oberrohrtasche hineinpasst. Meine komplette Verpflegung für längere Touren findet dort problemlos Platz. Ein paar Gels, Gummibärchen, Handy, Schlüssel und sogar eine Powerbank – alles ist griffbereit verstaut, ohne dass ich ständig in den Trikottaschen suchen muss.

Wer noch etwas mehr Stauraum benötigt, kann sogar das Innenteil herausnehmen, das für die Stabilität der Tasche sorgt. Genau so habe ich es gemacht. Die Tasche verliert dadurch zwar etwas an Steifigkeit, bietet dafür aber noch ein bisschen mehr Platz.

Während der Fahrt gefällt mir vor allem der Reißverschluss. Bei meiner bisherigen Oberrohrtasche wurde die Tasche über eine große Klappe geöffnet. Das hatte den Nachteil, dass beim Öffnen direkt der komplette Inhalt freigelegt wurde. Hier reicht es, den Reißverschluss nur ein Stück zu öffnen. So komme ich schnell an meine Verpflegung, ohne Angst haben zu müssen, dass mir unterwegs etwas herausfällt.

Auch der Sitz überzeugt mich. Die Tasche bleibt selbst im Wiegetritt genau dort, wo sie hingehört. Ich habe keinerlei Kontakt mit den Beinen und selbst auf unruhigerem Untergrund verrutscht nichts.

Den ersten kleinen Regenschauer musste die Tasche ebenfalls schon überstehen. Ich habe es nicht mehr rechtzeitig unter ein Dach geschafft – der Inhalt blieb trotzdem komplett trocken. Genau so wünsche ich mir das von einer Fahrradtasche

Die Satteltasche im täglichen Einsatz

Die Satteltasche erfüllt für mich gleich zwei Aufgaben.

Zum einen schafft sie endlich Platz. Regenjacke, Verpflegung oder der ganze Kleinkram, den man mit Kindern eben so dabeihat – alles verschwindet problemlos in der Tasche. Gerade auf Familienausflügen ist das Gold wert, weil ich meine Trikottaschen nicht komplett überladen muss.

Zum anderen ersetzt sie für mich fast schon ein kleines Schutzblech. Optisch bin ich einfach kein großer Fan von klassischen Schutzblechen am Gravelbike. Die Satteltasche hält allerdings einen großen Teil des Spritzwassers ab und schützt Rücken und Hose deutlich besser, als ich erwartet hätte.

Nach einer matschigen Tour lässt sie sich außerdem super einfach reinigen. Und mal ehrlich: Eine Bikepacking-Tasche darf ruhig ein paar Gebrauchsspuren haben. Irgendwie erzählen die am Ende ja auch ihre eigene Geschichte.

Während der Fahrt merkt man die Tasche kaum. Nur wenn meine Sitzposition mal nicht ganz passt, streife ich sie gelegentlich mit dem Oberschenkel. Das liegt aber eher an meiner Position auf dem Rad als an der Tasche selbst.

Besonders positiv finde ich den festen Sitz. Trotz des langen Hebels bewegt sich die Tasche im Wiegetritt erstaunlich wenig. Auch die Verschlüsse machen einen richtig guten Eindruck. Die Clips schließen sauber, halten ordentlich Spannung und die überstehenden Gurtenden werden zusätzlich fixiert. Dadurch lockert sich auch nach mehreren Kilometern nichts und man muss unterwegs nicht ständig nachspannen.

Was gefällt mir – und was nicht?

Nach mehreren Touren kann ich sagen, dass Rovativ an vielen Stellen genau die Probleme löst, die mich an meinem bisherigen Bikepacking-Setup gestört haben.

Die Taschen sitzen bombenfest, fühlen sich hochwertig an und wirken insgesamt sehr robust verarbeitet. Genau das wünsche ich mir von Fahrradtaschen, die auch auf längeren Touren zuverlässig funktionieren sollen.

Ein kleiner Kritikpunkt betrifft für mich das Design der Satteltasche. Wird sie nicht komplett gefüllt, verschwindet ein Teil des Logos durch den eingerollten Verschluss. Das ist natürlich reine Geschmackssache, aber ich hätte das Logo vermutlich etwas anders platziert oder insgesamt etwas dezenter gestaltet. Das ist allerdings Jammern auf wirklich hohem Niveau und vermutlich einfach meinem Beruf als Gestalter geschuldet.

Etwas mehr stören mich die Klettverschlüsse der Oberrohrtasche. Funktional gibt es daran überhaupt nichts auszusetzen – sie halten die Tasche absolut sicher am Rahmen und verrutschen keinen Millimeter. Mit der Zeit sind die Enden bei mir allerdings leicht ausgefranst. Das beeinträchtigt die Funktion zwar überhaupt nicht, sieht aber einfach nicht ganz so hochwertig aus.

Mein Fazit zu den Rovativ Fahrradtaschen

Wenn ihr auf der Suche nach einem bezahlbaren Einstieg ins Thema Bikepacking seid oder einfach mehr Stauraum für längere Rennrad- und Graveltouren sucht, solltet ihr euch die Taschen von Rovativ definitiv einmal anschauen.

Mich haben beide Taschen im Alltag wirklich überzeugt. Vor allem der stabile Sitz, die hochwertige Verarbeitung und die durchdachten Details machen im täglichen Einsatz einen echten Unterschied. Natürlich gibt es Kleinigkeiten, die ich persönlich anders gelöst hätte – beispielsweise die ausfransenden Klettverschlüsse oder die Platzierung des Logos auf der Satteltasche. Das sind für mich aber eher kleine Schönheitsfehler als echte Kritikpunkte.

Die Taschen werden mich definitiv noch auf vielen Touren begleiten und ich kann sie mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

Zum Schluss noch einmal vielen Dank an Paul von Rovativ für das Vertrauen und dafür, dass ich die Taschen ausführlich testen durfte. Dass mir die Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, hat meine Einschätzung dabei nicht beeinflusst – ich hätte die genannten Kritikpunkte genauso angesprochen, wenn sie mir selbst gehört hätten.

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